Fragen und Antworten

Was passiert, wenn man Fischli/Weiss mit Friese/Kossatz kombiniert?
Dem geht Sascha Büttners Fragen- und Antworten-Automat nach, Programm № 27 seiner Generator Suite.
2003 veröffentlichten Peter Fischli und David Weiss das kleine schwarze Buch „Findet mich das Glück?“. Es besteht nur aus Fragen, mal banal, mal existenziell, und beantwortet keine davon. 1997 hatten Holger Friese und Max Kossatz mit www.antworten.de eine Pionierarbeit der deutschen Netzkunst online gestellt: einen Wartesaal mit Nummernanzeige und Warteschleifenmusik, in dem man nie an die Reihe kommt.
Büttner hat über einen Buchhändler das Buch zu antworten erworben, ein besonderes Exemplar, dessen Seiten erst aufgeschnitten werden mussten. Darin sind Programmcode, Gestaltung und die Melodie in Noten festgehalten. Nach intensivem Studium entschied er sich gegen einen Nachbau und für eine Interpretation.
So funktioniert der Automat

Die Fragenseite zeigt eine Frage nach dem Muster von Fischli und Weiss. Sie stammt von einem Sprachmodell oder, als Rückfallebene, kombinatorisch aus Wortlisten. Die Fragen verteilen sich auf feste Register mit gewichtetem Anteil: kleine Regelüberschreitungen („Darf ich im Meeting laut gähnen?“), Büro, Dinge mit Eigenleben, Orte, Verdacht, Gewissheit, ein daoistisches Register und, seltener, Länder, Gangarten und Reisen. Gleichartige Fragen folgen nicht direkt aufeinander. Man kann sich eine andere Frage geben lassen, die Frage als Bild speichern oder sie mit „Zur Antwort“ abschicken.
Nach „Zur Antwort“ erhält man eine Wartenummer und wird nach fünf Sekunden in den Wartebereich weitergeleitet. Dort rückt die Anzeige alle drei Minuten um eine Nummer vor. Ist die eigene Nummer erreicht, erscheint „Sie sind leider zu spät“, zusammen mit einer neuen, höheren Nummer. Nach einer Minute kann man warten oder eine neue Frage stellen, nach 100 Sekunden außerdem eine Nachricht schreiben oder die Zugriffsstatistik lesen.
Die Musik
Im Original läuft „wait.au“, eine kurze Schleife für Mundharmonika, E-Orgel, Schlagzeug und Bass in f-Moll. Der Automat ersetzt sie durch ein Ostinato: eine Figur aus drei bis fünf einzelnen Tönen, die sich mit leichtem Hall unablässig wiederholt. Alle acht bis zwanzig Durchläufe verschiebt sich ein Detail dauerhaft, ein Ton um einen Halbton, eine Dauer oder die Pause. Jeder Besuch beginnt mit einer neuen Figur. Die Wartezeit wird so hörbar, ohne dass sie je gleich klingt.